Professionelle Bauherrenvertretung

 
 

Der tägliche Wahnsinn in deutschen Unternehmen – eine kleine Bestandsaufnahme 


Haben Sie auch das Gefühl, ab und zu in den Wahnsinn getrieben zu werden und die an Sie gestellten Anforderungen nicht mehr bewältigen zu können?

 

Der Wahnsinn hat viele Gesichter. Wir alle kennen Sie und doch stelle ich immer wieder fest, dass wir die Gesichter viel zu selten reflektieren. Prüfen wir wirklich genug, ob dieser Gesichter zu uns passen? Und prüfen wir eigentlich, ob ein Gesicht bei uns vielleicht anders geschminkt werden muss? Ist es immer klar, dass es sich wirklich um ein Gesicht und nicht vielleicht um eine hässliche Maske oder Fratze handelt, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat?

 

Im Folgenden habe ich eine „Wahn-Vorstellung“ erstellt, die viele Gesichter des täglichen Wahnsinns kurz skizziert. Beurteilen Sie selber für sich und Ihr Unternehmen, wo Sie stehen und ob es nicht doch an der Zeit ist, dass ein oder andere Gesicht etwas kritischer zu betrachten. Und bitte nehmen Sie die einzelnen Ausführungen nicht persönlich oder zu ernst. Die Wahrheit liegt sicherlich oft in der Mitte

 

Wahn-Vorstellung:

 

Plan-Wahn: Hier denke ich nur an das Zitat: „Planung ersetzt den Zufall durch Irrtum“. Es ist faszinierend, wie viel Zeit einige Unternehmen mit der Planung von Jahreszahlen verbringen. In dieser Zeit werden dann oft erschwerend keine Entscheidungen getroffen, da die Budgets ja noch nicht feststehen.

 

Controlling-Wahn: wer kennt sie nicht, die Monatsberichte und die damit einhergehende Erklärung von aufgetretenen Abweichungen. Controlling ja, aber bitte sinnvoll!

 

Größen-Wahn: Ein großes Übel unserer Zeit sind die extremen Managergehälter, Renditeerwartungen und ausufernden Wachstumsansprüche. Ich vertrete die Auffassung, dass kein Manager auf dieser Welt mehr als € 500.000,-- verdienen muss. Ich denke, dass man damit schon ganz gut zu Recht kommen kann. Aber ich möchte hiermit jetzt auch keine Diskussion zur Lohngerechtigkeit anfangen. Einer meiner Professoren an der Uni sagte in der ersten Vorlesung, dass es keine Lohngerechtigkeit gibt. An der Aussage hat sich bis heute wohl nichts geändert.

 

Regulierungs-Wahn: Um nur einige zu nennen: Datenschutz, Basel III, Brandschutz, Beraterprotokoll, Energieeinsparungen, etc. Hier ist die Einflussnahme der Unternehmen sicherlich am geringsten. Gleichwohl täten viele Verbände gut daran, sich stärker gegen die Lobbyisten zu wehren.

 

Rationalisierungs-Wahn: immer alles günstiger und das oft nach dem Gießkannenprinzip, ohne zu gucken, wo der jeweilige Bereich tatsächlich steht. Dies gilt sowohl für Personal (es gibt keine Neueinstellungen), als auch für die Kosten (wir müssen alle 10% weniger ausgeben).

 

Benchmarking-Wahn: von allen gehasst, vom Management aber gerne aufgegriffen >> zu oft Vergleich von Äpfel und Birnen, wird aber immer wieder genutzt, um den Druck zu erhöhen.

 

Strukturierungs-Wahn: ständige Veränderungen von Organisationsstrukturen und Organisationsbezeichnungen, operative Umsetzung meist nicht zu Ende gedacht.

 

Macht-Wahn: zu oft gibt es eine „one-man-show“. Hierdurch ist kein Platz für die dringend erforderliche Konflikt-/Kritikkultur. Es regiert das Ja-Sagertum.

 

Berater-Wahn: Immer wieder werden große Beratungsfirmen eingesetzt, die den Unternehmen etwas überstülpen und deren primäres Ziel es ist, Folgeaufträge zu generieren. Berater sollten nach meinem Verständnis eher moderierend und strukturierend die Anforderungen des Managements umsetzen und hierbei grundsätzlich das Know-How der eigenen Mannschaft nutzen

 

Zielvereinbarungs-Wahn: Muss ich wirklich jeden Mitarbeiter verzielen und wie ist das über das Jahr gesehen durchzuhalten? In unserer heutigen Welt verändern sich die Rahmenbedingungen unterjährig oft mehrfach. Aufgaben verändern sich, neue kommen hinzu. Der Aufwand ist enorm und das Instrument stumpf. Und einmal Hand aufs Herz! Ist es nicht originäre Führungsaufgabe, die Mitarbeiter so zu steuern, dass sie die anstehenden Aufgaben bestmöglich erreichen? Sollte daran nicht eine Führungskraft gemessen werden?

 

Führungs-Wahn: Es herrscht weiterhin in zu vielen Unternehmen das Peter-Prinzip. Überforderte Führungskräfte werden nicht erlöst, Führungsschwächen nicht offen angesprochen und angepackt. Unternehmen sind oft Konsequenzen freie Räume. Wer eine verantwortungsvolle Position bekleidet und auch entsprechend vergütet wird, muss die Verantwortung auch tragen!

 

Meeting-Wahn: vielen Unternehmen fehlt eine klare Besprechungskultur. Es werden viele zu Meetings eingeladen, viele haben aber gar nichts zu sagen und wissen gar nicht, was sie in dem Meeting sollen. Und am Ende gehen alle auseinander, ohne dass es ein Ergebnis oder klare Arbeitsaufträge gibt.

 

E-Mail-Wahn: ähnlich wie der Meeting-Wahn. Es gibt keine klaren Regelungen für den internen E-Mail-Verkehr. Was heißt es denn für mich, wenn mich jemand in Kopie setzt? Und wie schnell muss ich eine E-Mail eigentlich beantworten? Auf E-Mails nicht zu antworten hat sich ja auch schon fast flächendeckend durchgesetzt. Ist das gewollte Kultur?

 

Einkäufer-Wahn: hier geht es oft nur noch um günstig, meist ohne Fachkenntnisse der Einkäufer. Einsparungen werden groß kommuniziert, die Folgekosten und der Ärger günstiger Einkaufsentscheidungen aber totgeschwiegen. Hier können glaube ich viele ein Lied von singen.

 

Darstellungs-Wahn: Immer noch beschäftigen sich Heerscharen in Unternehmen und Projekten damit, die entsprechenden Folien in Power-Point zu erstellen oder zu füllen. Es gibt umfangreiche Foliensätze, deren Inhalte kein Entscheidungsträger mehr verarbeiten kann. Zum Glück haben das einige Unternehmen bereits erkannt und sehen von umfangreichen Präsentationen ab.

 

Projekt-Wahn: Das Projekt-Management hat sich zu einem lukrativen Geschäft entwickelt. Auch hier ist oft alles geregelt (siehe Regulierungs-Wahn). Die Frage ist, ob wirklich alles in so engen Projektstrukturen erarbeitet werden muss. Viele Themen lassen sich sicherlich auch pragmatisch und hemdsärmelig abarbeiten. Das bringt den Beteiligten dann auch viel mehr Spaß und Freiräume.

 

Befragungs-Wahn: es gibt unglaublich viele Befragungen zur Mitarbeiterzufriedenheit, zum Führungsverhalten o.ä. Ich bin durchaus ein Befürworter von derartigen Befragungen, aber bitte nur, wenn Sie ernst gemeint sind und das Management auch die Kraft und den Willen hat, sich mit den Ergebnissen auseinander zu setzen und notwendige Veränderungen anzustoßen.  

 

Fazit: viele der genannten Gesichter führen zur Beschäftigung mit sich selbst. Diese sollte nicht den Großteil der Kräfte eines Unternehmens binden. Stellen Sie sich nicht nur die Frage, ob Sie die Dinge richtig tun. Viel wichtiger ist doch die Frage, ob Sie die richtigen Dinge tun.

 

Und vergessen Sie bitte bei all diesen Themen eines nicht – Ihren Kunden!

 

Herzlichst

Ihr

                                                

Frank Schäfer